Perma- und Wildniskultur auf öffentlichen Grünfächen

Der Mehrwert der „Permakultur/Wildniskultur“ auf öffentlichen Grünflächen
von Sandra Peham, Initiatorin des Onlinenetzwerkes "Einfach Essbar"

 

„Urban Gardening“ ist seit einigen Jahren in aller Munde. Immer mehr Menschen, vor allem in großen Städten, wollen sich nicht länger mit chemisch behandelten Nahrungsmitteln „versorgen lassen“ und setzen mit der Bepflanzung öffentlicher und privater Grünflächen ein deutliches Zeichen dafür! Diese „Volksbewegung“ wird teilweise akzeptiert und stellenweise ins Stadtbild integriert. Vielerorts erkennt das „Stadtmarketing“ den Mehrwert solcher Initiativen und lässt „optisch korrekte“ Anbauweisen, wie z.B. in formschönen Hochbeeten, zu.
Diese Entwicklung ist an sich betrachtet sehr positiv, sollte aber auch mit einem kritischen Auge beobachtet werden! Denn naturnahe, ökologische Lebensräume sind KEINE Projekte, die einen Anfang und ein Ende haben. Sie sind vielmehr PROZESSE mit einer Anfangsphase, einer Entstehungsphase und einer Begleitungsphase, die kein Enddatum trägt!

Die Bewegung rund um essbare Landschaften und Städte braucht immer wieder neue Impulse, sodass wir uns weg von Projektinitiativen , hin zu wirklich nachhaltigen Prozessen entwickeln können.
Vor allem ist es für uns alle wichtig zu erkennen, dass öffentliche Selbsterntegärten nicht nur als Gärten fungieren können, sondern vermehrt auch als Plätze wo wir Natur wieder in das Zenrum der Aufmerksamkeit stellen.
Das geschieht aber nur, wenn wir bewußt "Wilde Natur" (Wildniskultur) zulassen, uns an sie, auch optisch, wieder gewöhnen. Denn dieser Punkt wird sehr oft vernachlässigt!

Wildniskultur zuzulassen und zu fördern beinhaltet Pflanzen nach dem Verblühen in Samen gehen zu lassen, die "Selbstaussähung" zu intergireren und das Abnehmen der verschiedensten Samen der Bevölkerung näher zu bringen.
Das erscheint vielleicht auf den ersten Blick als ganz normaler Vorgang...ist es aber in der momentanen Realität nicht!

Das "Pflegen" der öffentlichen Gärten, vor allem auf öffentlichen Plätzen, ist immer noch, nach dem Geschmack und der Ästhetik der Mehrheit der Bevölkerung ausgerichtet. Dadurch werden Blühflächen und Gemüsepflanzen spätestens im Herbst als unästhetisch und hässlich empfunden, da sie braun und welk wirken: Es werden für das kommende Garten Jahr lieber neue Samen gekauft, als die natürlichen Ressourcen zu nutzen.Wiesenflächen werden zu Grasmonokulturen abgemäht, Baum- und Strauchschnitt, sowie Laub, werden abtransportiert, da sie das Auge stören, statt sie im Garten wieder als kostbare Ressouce einzusetzen.
Die "Essbare Bewegung" schrumpft zum "Urban Gardening" (auch in ländlichen Gebieten) zusammen und wird als Werbeaktion oder Mini-Highlight, dass man ohnehin schon kennt, abgewertet. Dadurch wird der Prozess hin zu natürlichen, essbaren Landschaften massiv bedroht und der Mehrfachnutzen für unser aller Zukunft wird zum modernen, zeitlich begrenzten Projekt.
Fakt ist,und das kann ich nach Jahren der Öffentlichkeitsarbeit für und mit  essbaren Initiativen sagen, dass wir nicht müde werden dürfen sich um "Essbare Landschaften und Städte/Gemeinden" zu kümmern. Das Thema darf nicht als "fertig" abgehandelt werden!

Ein essbarer Garten/Ein essbarer Landstrich beinhaltet so viel mehr als die Wörter vermuten lassen.
Sie regen zur Diskussion und damit zur Kommunikation an, sie steigern das Bewusstsein für natürliche Vorgänge in der Natur und schulen unser aller ästhisches Auge wieder darauf Natur zu erkennen, wahrzunehmen und als schön und kostbar zu empfinden!

 

Weitere Infos zu „essbaren Gärten“: www.einfachessbar.org
Infos zur Wildniskultur: www.permakulturwildniskulturwordpress.com

 

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